Eine Rüstung eines Königs würdig

Es war im Jahre 5 Richard (198 vor Viviane) als der Fürst Rodran V. von Zwingern eine große Turney ausrufen ließ. Anlässlich derer sollten zwei Knappen in den Ritterstand erhoben werden. Waren diese aber niemand anders als der Kronprinz Rudolph und der vierte Sohn des Fürsten von Zwingern, Parlan mit Namen.
Die beiden Buben hatten in ihrer Knappschaft oft gemeinsam gedient, hatten zusammen gekämpft und gelitten und waren sich näher als Brüder.

Am Vorabend des Ritterschlages waren die Freunde gemeinsam dabei ihr Rüstzeug und Waffen für den nächsten Tag vorzubereiten. Beide hatten als Geschenke von den Vätern gutes Rüstzeug erhalten, welches ihnen am nächsten Tage zum ersten Mal angelegt werden sollte. Die Eisenkleider jedoch waren von sehr unterschiedlichem Schlage. Die Rüstung des Rudolph war einem Prinz und König von eichenhainer Blute würdig, prächtig gearbeitet und mit Gold durchwirkt. Die des Parlan war von dunklem Grau, matt und mit so manchem Schmiß. Auch diese war von einem Meisterrüstschmied gemacht, jedoch vor schon achtzig Jahren. Und war, wie es Tradition war, schon von anderen des Hauses Zwingern getragen worden.

Als Parlan des Freundes Brünne betrachtet war er wohl durchaus neidisch, missgönnen aber tat er sie ihm nicht. Eben jenes wollte er gerade aussprechen als er gewahr wurde das der Freund nicht von freudiger Erregung erfüllt sondern von grimmen Gedanken war. Der Prinz spürte den Blick des Freundes, stählte sich und sprach:
Du mein Freund der mir der teuerste von allen ist, will ich erzählen was mich grämt und dann will ich dich bitten mir einen Dienst, den nur du tun kannst zu erweisen. Ich bin von königlichem Blut, was es mir auf immer verwehrt für mich selbst im Kampfe ein zu stehen. Sogar in der Turney, darf ich nicht zum Tjoste antreten, den Gesetz und Tradition verbieten es mir. Selbst sollte ich dereinst der König sein, ist mir dies für immer verwehrt. Darum bitte ich dich dass ich morgen statt deiner in die Bahn reiten kann, um es denn wenigsten einmal erlebt zu haben. Ich weiß wohl, dass es dich um deinen ersten Ritt bringt weshalb ich so lange zögerte dieses Opfer zu erbitten.
Der Parlan dachte nur einen Augenblick nach, ertrug des Schmerz ob es Verlustes seiner ersten Tjoste und gab dem Freund die Zustimmung.

Als es zur Tjoste ging waren die zwei Freunde keine Knappen mehr sondern nun Ritter, geschlagen von Konig Richard, heute zum Tagesanbruch. Beide hatten zu Fuss gekämpft, mit Schwert und Schild und sich recht wacker geschlagen. Und beide traten auch in die Tjostbahn, beide in vollem Harnisch mit Helm, der eine zu reiten der andere um dem Freunde zuzusehen. Das nun jeweils der andere die Rüstung trug konnte niemand ahnen. Wäre der Prinz nach dem ein oder anderen Gange vom Pferde gestoßen worden hatte es auch niemals ein anderer erfahren. Doch die Vorsehung hat ihre eigenen Ziele und lenkte die Geschicke wie es ihr gefiel. Der Prinz war nicht aus dem Sattel zu heben. So manch ein mächtiger Stoß traf sein Schild, doch stets hielt er sich aufrecht. So fiel ein Gegner nach dem anderen unter des Prinzen Lanzen bis er schließlich, unangefochten der Sieger war.
So manch einer der hohen Herrschaften jedoch war sehr verwundert. Nicht über des Parlans Geschick mit der Lanze, sondern über die Mienen der höchsten Männer am Platze. Der König und Fürst saßen zusammen, nach anfänglichem Jubel waren beide still geworden und blickten nun finster auf das Feld, dem Sieger der Tjost entgegen, der begleitet vom Freunde zur Tribüne schritt. Die Helme wurden abgenommen und der Jubel wurde  zum Raunen des Erstaunens, als die Herrschaften sahen wer geritten und wer zugesehen hat. Die beiden Väter schienen nicht überrascht. Scheinbar war ihnen gewahr geworden, was allen anderen verborgen geblieben war.

Der König trat vor. Er war von Zorn und Stolz zu gleich erfüllt. Sein Sohn war der Sieger des Turniers, hatte sich und dem Hause Ruhm gebracht und großes Geschick bewiesen. Sein Sohn hatte mit der Tradition gebrochen, und das Gesetz missachtet, dabei waren Tradition und Gesetz, hinter dem Kodex, das wichtigste überhaupt.

So sprach der König: „Mein Sohn, du hast tapfer gekämpft und dich am heutigen Tag als der Beste gezeigt. Diesen Sieg soll dir niemand abstreitig machen, denn du hast ihn durch dein eigenes Geschick und deine Kraft errungen. Ebenso sehe ich das du dir für diesen Kampf neues Rüstzeug von deinem Freund hast geben lassen, so ist es nur recht und billig wenn er als Entschädigung die deine erhält.
Da stand der Prinz, in alter Brünne und war sprachlos, von Vater geehrt und gestraft zugleich.

Der Fürst trat vor. Er war von Zorn und Stolz zu gleich erfüllt. Sein Sohn hatte den Dienst am Freunde als wichtiger erachtet als die Tradition und das Gesetz. Es wäre seine Pflicht nicht gewesen, dem König von der närrischen Idee des Prinzen zu berichten oder denn wenigsten ihm den Gefallen zu verweigern, den Zorn des Prinzen aufzunehmen, um das Wohl des Prinzen willen. Aber wenn der Fürst ehrlich mit sich selbst war, hätte er wohl genau so gehandelt.

So sprach der Fürst:„Mein Sohn, wie du gehandelt hast, das war nicht recht. Ich will es jedoch gerne verzeihen, war deine Unrecht schließlich nicht angestoßen von eigenem Gewinn, sondern im Dienste der Freundschaft Bande. Was ich jedoch nicht zulassen werde ist das sich ein Sohn aus meinem Hause anmaßt eine Rüstung anzulegen die für einen König geschmiedet wurde. Als ein Geschenk darfst du sie behalten, tragen wirst du sie nie. Da du deine eigene Panzer hergeben hast, wirst du ohne einen auskommen müssen.

So sei zum Ende noch gesagt das aus dem Prinzen, schließlich König Rudolph der Kühne wurde, aus seinem Freund der Reichsritter Parlan von Zwingern. Der König ist niemals wieder in einer Tjoste geritten, hatte aber noch so mach Kühne Idee bei der ihm steht ein treuer Freund zur Seite stand. Herr Parlan hat die eichenhainer Brünne niemals angelegt, der König hat sie niemals zurück gefordert. Und so steht sie bis heute auf einem Ehrenplatz in der Rüstkammer der Zwingernburg.

So getreulich berichtet am 12. Tage des neunten Monats im jahre 9 Viviane vom Reichsritter Hubert Johannes von Sternenschlucht auf der Zwingerburg, anlässlich der Überreichung des Hochzeitsgeschenkes Ihrer Fürstlichen Hoheit Katharina Isabella von Zwingern an seine Königliche Hoheit Silvanus Magnus von Eichenhain.

Bei dem Geschenk handelte es sich um eben jene Rüstung, die nunmehr nicht mehr in der zwingernschen Rüstkammer steht, sondeern von Seiner Königlichen Hoheit im Felde getragen wird.

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