Der Fall des Eisernen

Niedergeschrieben von Rodran von Turmfeld, Knappe des ersten Ritter des Reiches, Sir Wallfried von Herzfeld

Wir schrieben das Jahr 10 der Regentschaft des Ehrwürdigen Königs Michael des Eisernen, oder 142. n. der großen Vereinigung.

Es war der winterkalte Monat Januar. Die eisigen Fronten des gnadenlosen Winters wichen keinen Schritt zurück. Mein Herr, Sir Wallfried von Herzfeld, und ich waren auf den verschneiten Wegen der Kronmark unterwegs. In unserem Tross befand sich seine geliebte Gemahlin, Lysandia Edle von Zwingern, der Vogt von Herzfeld und neun Ritter aus den Herzfelder Landen. Seiner Hochwohlgeboren Baron Siegmund II. von Herzfeld ward die Reise an des Königs Hofe nicht vergönnt, mußte er sich doch des Schicksals Schlag erwähren, das ihn mit Krankheit und Verderben bedachte. Doch war es nicht das Leid unseres Lehnsherrn das unser Herz mit Schatten bewarf, ward er doch schon auf dem Wege der Besserung. Auch war es nicht der Frost des Winters der uns die Wärme stahl. Der Beweggrund dieser Reise war es, der alle Lieder und Gesänge auf dem Wege zu vereiteln wußte. Noch heiß brannten die Geschehnisse jenes Schicksalsschwangeren Tages in unseren Leibern:

Am 13 Tage des grauen Monats November begab es sich. Der Bote allen Übels suchte auch unsere Heimstätt auf. Am Hofe unseres Herrn Siegmund II. Die stolze Veste Hertzburg thronte, dem kommenden Wintergrau trotzend, über den kalten Wassern der Mümling. Das Volk und die Edlen Herren gleichermaßen schienen sich auf einen langen Winterschlaf einzurichten, ganz so wie die Bären im Forste. Die harte Arbeit des Jahres war verrichtet, nun hieß es die Kälte auszusperren und den lieblichen Strahlen eines baldigen Frühlings zu warten.
Mein Herr stand an jenem Morgen auf der trutzigen Wehrmauer, die die Burg nach Osten schütze, und genoß die ersten schwachen Strahlen der Sonne. Sehr oft stand er dort. Die, die ihn kannten wußten, daß er in solchen Momenten die Welt vergaß und sein wehrhaftes Herz der Welt öffnete (Er stritt es wohlgleich immer ab wenn man davon sprach).
Ich trat leise neben ihn. Er schien mich nicht bemerkt zu haben, doch ich wußte, daß dieser Gedanke eine Verfehlung gewesen wäre. Das hatte ich in den zwei Jahren meiner Knappenschaft gelernt. Ich verharrte geduldig neben ihm und fand die Zeit ihn eindringlich zu mustern. Er war im vollem Harnisch gerüstet und hatte sein edles Schwert gegürtet. Das Schwert des ersten Ritter Galladoorns. Auf seinem Wappenrock prangte das goldene Herz auf schwarzem Grund. Sein Haar verfing sich im frischem Wind des Morgens. Eine Weile genoß ich mit ihm die Strahlen der Morgensonne. Es tat gut, auch wenn sie vergeblich gegen die Kälte zu kämpfen suchten. Dann wurde mir gewahr das Sir Wallfried nicht länger in den Strahlen badete. Sein Blick hatte sich abgewandt und spähte nun angespannt auf den Weg unterhalb der Burg.
Ich folgte seinem Blick und machte eine einzelne Gestalt aus die aus dem Dorf heraufkam. Sie war in dunklen Farben gekleidet und schien von der Last des Alters gebeugt zu gehen.“Wer mag das sein, Sir?“ fragte ich meinen Herren. Er antwortete nicht. Ich strengte mich an, gegen die Sonne zu erkennen, wer so früh am Morgen den Weg zur Burg suchte. Nach kurzer Zeit war die fremde Gestalt am Tore der Burg angelangt. Die Wache wies sie an einzuhalten. Ich konnte nicht verstehen was gesprochen wurde, aber der Fremde und die Wache wechselten einige Worte. Seltsam mutete der Fremde mir an. Er ward in einer schwarzen Kutte gehült und hatte die Kapuze zum Schutze vor dem Wind übergestriffen. Er war von großer Gestalt, ging jedoch gebeugt daher. Seltsamerweise machte der Fremde einen kräftigen und agilen Eindruck.
Urplötzlich, ohne einen Moment der Warnung, blitze ein Dolch unter der Kutte hervor und stieß tief in den Hals der Torwache! Gewand wie eine Katze sprang der Fremde zurück. Dabei verrutschte seine Kapuze: Es war eine wunderschöne Frau mit wilden, roten Haaren! Sie lachte schrill und mir lief ein Schauer über meinen Rücken. Ich riß mich los von diesem Anblick und wollte etwas zu meinem Herren sagen. Doch dieser stürmte schon die Treppe der Brustwehr herunter, mit dem Schwert in der Rechten.
Laute Alarmschreie zerissen die Ruhe des frühen Tages, die bis jetzt geherrscht. Ich warf noch einen Blick über die Brüstung bevor ich meinem Herren folgte. Die fremde Angreiferin war fort. Hektisch suchten die Wachen den ganzen Tag in Dorf und Burg nach der Mörderin der Wache. Ohne Spur. Alles was man fand, oder uns fanden ließ, war ein gesiegeltes Pergament zu den Füßen der toten Wache. Sir Wallfried öffnete es am Nachmittage im Beisein des Barons, dessen Gemahlin und des Vogtes. Die Schrift war in unsrer Sprache gehalten und verkündete dies:

„Spieglein, Spieglein an der Wand, enthüllt Euch was Euch unbekannt. Verschwunden ist was ihr geliebt, das Schicksal wird es weisen. Kein Schatten mehr, den er nun wirft, der gemacht sein soll aus Eisen.“

Voll hingabe rätselten wir ob der seltsamen Botschaft. Zogen gar die Weisen aus dem Dorf zu Rate. Ohne Erfolg. Es schien das Werk eines Verrückten, auch wenn uns deuchte, daß sich Wolken über uns zusammenzogen.
Drei Tage später erreichte uns die Nachricht, daß Seine Königliche Majestät Michael, genannt der Eiserne, ohne eine Spur verschwunden sei. Am 13. dieses Monats hatte jeder Provinzherr in Galladoorn eine Torwache verloren …
Oh, beim heiligen Drachen, erbarme dich unserer Seelen.

So ward es geschehen. Und am frostigen Tage des Januars, im darauffolgendem Jahr, waren wir auf dem Wege zur Starkburg. Der Kronrat sollte dort zusammenkommen, um zu beraten, wie man weiter verfahren sollte. Geladen war der Hochadel zu Galladoorn. Der Fürst zu Zwingern, Hellbronn XI., die Barone aus den Landen Waldwacht, Eulengrund, Torn, Tron, Leutern, Waldbrunn und selbstredend Sir Wallfried aus Herzfeld.
So marschierten wir auf, am 20. Tage des Januars 10 Jahre nach Michaels Machtergreifung. Prunkvoll waren sie anzusehen, die Gesandtschaften der Provinzen: Ein jeder brachte sein Tross aus Rittern, Vertrauten und Knappen mit. Die bunten Banner wehten im eisigem Atem des Monats. Und selbst der düstere Grund dieses Treffen tat sich schwer den Glanz und den Ruhm der Angereisten zu schmälern.
Stumm bezogen wir die Quartier der Starkburg und harrten den Dingen die da kommen mochten. Pradian zu Herzfeld, der Vogt zu Herzfeld meinte das schwarze Schwingen sich über das Land ausbreiten würden und man besser daran täte sich um sein Seelenheil zu sorgen. Niemand ließ es sich Anmerken, aber insgeheim teilten wir die Ansichten des alten Vogtes. Es war eine Art von Schwarzseherei die ihm ansonsten zuwider war.
Noch am selben Abend ließ der Kronvogt offiziell zum Kronrat rufen. Wir folgtem dem Rufe und begaben uns in den Thronsaal der Starkburg. Prächtig war hergerichtet worden. Der große Saal war getragen von weißem Marmor und die Lange Tafel war in gold und silber gedeckt. Wohl an die einhundert Leut faßte er. Wir nahmen die traditionellen Plätze ein. Am Kopfe der Tafel, zur linken der Stirnseite, saß der Fürst zu Zwingern, erhaben und weise. Ihm gegenüber nahm der Kronvogt Platz. Ihnen folgten der Reihe nach die Barone von Leutern, Waldbrunn, der alte Vogt Pradian als Vertreter Herzfelds, Torn, Tron, Eulengrund und Waldwacht. Desweiteren die erwählten Ritter der Provinzherren. Unter ihnen mein Herr Sir Wallfried. Zuletzt folgten die Edlen Damen der angereisten Herren. Die Knappenschaft stellte sich je zur rechten hinter ihren Herren. Ein wahrhaft bezaubernder Anblick. An den Wänden entlang der Tafel säumten die Schilder der Angereisten den Saal. Und über dem Kopfe der Tafel hing das königliche Wappen. Der grüne Baum auf gelbem Grunde. Und darunter stand ein leerer Thron.
Die Herrschaften hatten ihre Pätze eingenommen. Noch immer brach keine Stimme die angespannte Stille des Moments. Ein jeder brannte in Erwartung, zu erfahren was sich vor zwei Monaten zugetragen hatte. Als von draußen herein die achte Abendstund verkündet wurde, stand der Kronvogt auf und sprach zu den Versammelten:
„Ich grüße Euch alle die ihr hier versammelt seid, im Namen des Mutes, der Wahrheit und der Liebe. Mein Name ist Ardalbert von Starkburg, Kronvogt des Reiches Galladoorn. Ich danke euch allen für euer kommen, umsomehr in dieser schweren Stund. Wie ihr bereits erfuhret ist unser, von allen geliebte, König, König Michael, genannt der Eiserne, verschwunden ohne eine Spur zu hinterlassen. Gar Ratlos sind wir alle in dieser Zeit und gar erschreckend das Geschehene. Berichten, was sich zugetragen hat, wird uns Seine königliche Hoheit Trogart von Eichenhain.“ Der Kronvogt endete und die große Eingangstür schwang auf. Herein trat der Bruder unseres vermissten Königs, Trogart von Eichenhain. Alle im Saale erhoben sich und Trogart, ganz in roten und blauem Samt und Hermelin gekleidet, schritt an den Kopf der Tafel. Er deutete den Versammelten sich zu setzen.
„Ich erbiete euch allen meine grüße, besonderst den treuen Lehnsmännern meines verschollenen Bruders.“ begann er zu sprechen. „Die Wunden dieses Verlustes bluten tief, doch ich will Euch berichten was sich zugetragen. Am 12. Tage des Monats November, im vergangenem Jahr, war es das letzte mal das der erhabene König und seine bezaubernde Gemahlin gesehen wurden. Als man am Mittag des darauffolgenden Tages das Schlafgemach des Königs öffnete, waren sie verschwunden. Und in ihrem Gemach lag ein kleiner silbern gerahmter Spiegel mit einer Botschaft darauf. Den Laut der Botschaft hat wohl schon jeder hier vernommen. Denn sie wurde an jenem Tag an jeder Burg eines Lehnsherren gefunden. Zudem wurde der junge Sohn der königlichen erdolcht im Turmzimmer der Burg gefunden.“ ,Tumult machte sich breit. Empörensrufe und ungläubiges Kopfschütteln. Das gehörte schnitt ins Fleisch wie es kein Schwert vermochte. Der Seneschall bemühte sich zur Ordnung zu rufen.
Trogart fuhr fort: „Dies sind die reinen Worte der Wahrheit. Ungeschmückt und von leidlicher Wahrhaftigkeit. So unfaßbar das Geschehene auch ist, wir konnten kein Zeichen finden das uns vor dem hätte warnen können. Alle Wachen waren aufrichtig und pflichtbewußt, die Posten besetzt. Das Übel brach uns all.“
Die nächsten Stunden verbrachten jene, die Stimmberechtigt waren, alleine in einem Ratszimmer. Langes Warten war es uns. Die Ungewißheit ließ uns nicht ruhn und man munkelte bald wildes Gespinnst. Manch Lästerzunge wagte zu sinnieren das es Trogart gewesen sein könnte, der seinen eigenen Bruder habe fangen lassen. Mein Herr stritt dem zuwider, er sagte das es in niemandem Schicksal läge, seinen König zu entthronen. Und, beim Drachen, im innersten teilten wir alle dieses Wissen!
Kurz nach der Mitternachtsstund betrat der Kronrat wieder den Saal. Ein jeder nahm eiligst seinen Platz ein und der Kronvogt sprach zu den Herrschaften:
„Folgendes sei verkündet im Namen der Wahrheit: Im Anstoß an unseren vermissten König, der ehrwürdige Michael von Eichenhain, tagte am 20. Tage des 10. Jahres nach Michaels Machtergreifung der Kronrat zur Starkenburg. Und kam zu der Übereinkunft, daß ob dieses schmerzlichen Verlustes ein Denkmal errichtet werden soll. Zu Ehren König Michaels, dem Eisernen. Im Zuwillen der heiligen Kirche des Drachen und in einigem Einverständnis aller Mitglieder des Kronrates kam man zu dem Entschluß, daß unser so geliebter König dem Urteil des wissendem Schicksals unterworfen war. So sei es, sich diesem zu fügen. Der Kronrat zu Starkenburg verfügte weiterhin seine ehrwürdige, königliche Hoheit, Trogart von Eichenhain zum unbedingtem Nachfolger auf dem Königsthrone zu Galladoorn.“
Die befremdlichkeit des Geschehenen fesselte unseren Geist. Der Kronvogt hatte soeben verkündet das man einen Nachfolger auf dem Königsthron gewählt hätte.Ohne das verschwinden des Königs Michael zu untersuchen und sich seines Ablebens sicher zu sein!
Sir Wallfried, mein Herr, sprang von seinem Stuhle, „Sakrileg!“, brüllte er dem verschrecktem Kronvogt entgegen. „Das ist Verrat an König und Land! Welch übler Bube spielt hier falsch? Der König ist keine 3 Mondläufe entschwunden und nichts ist geschehen ihn zu finden!“ Die Mitglieder des Kronrates standen nun ebenfalls. „Ihr habt euch dem Willen eures Kronrates zu beugen, Sir Wallfried!“ herrschte der Kronvogt zurück, sichtlich erzürnt ob dieser Schamlosigkeit.
Von weiter hinten ertönte ein weiterer Ruf: „Nein! Das ist Verrat!“. Sir Tarion aus Leutern hatte sich erhoben und funkelte den Kronvogt finster an. Nun war es Fürst Hellbronn .XI der seiner Empörung Luft verschaffte. „Verflucht, welch übler Teufel hat euch geritten? Der Wille des Kronrates ist nunmehr euer Wille!“
„Nein!“, ein weiterer Ritter, aus Torn, hatte es gewagt Widerspruch zu verkünden. Trogart, der Urgrund des Streites hatte bis jetzt dem ganzen schweigend beigewohnt. Man merkte ihm die Unannehmlichkeit an , die ihm das sprechen bereitete. „Wenn ihr meinen berechtigten Anspruch auf des Königs Thron nicht anerkennt, dann seid ihr es die sich des Verrates verschuldig gehen. Wenn ihr nicht alsbald Land und Ehre verlustig gehen wollt verlange ich das ihr mir unverzüglich die Treue schwört und meinen Anspruch anerkennt.“ Die drei Ritter verließen die Tafel und schritten forschen Schrittes auf den Kronrat zu, allen voran mein Herr. Er hielt einige Schritt vor dem fragwürdigem König inne und verkündete allen im Saale ein deutlich vernehmbares „Nein.“ Die beiden anderen Ritter taten es ihm gleich. „Nur meinem König gilt der Schwur den ich geleistet. Und erst wenn ich an seinem Grabe stehe wird die Bürde von mir genommen. Solange ehrt sie mich bis in den Tod.“; fuhr er fort.
„So sei es!“ erscholl ein Ruf von der Tafel. Alle Versammelten hefteten ihre Blicke auf einen Ritter aus dem Hause Zwingern. Fürst Hellbronn schien seiner Sprache verlustig gegangen zu sein. Weitere Ritter des Königs erhoben sich und stellten sich hinter meinem Herrn, bereit ihre Ehre zu verteidigen. Zehn an der Zahl.
Es dauerte nicht lange bis keiner mehr am Tische saß. Die einst so geordnete Versammlung war in einen wilden Disput geraten und, soweit ich es im Durcheinander erkennen konnte entbrannte ein handfester Streit. Anfangs wollte niemand recht Partei ergreifen, doch es dauerte nicht lang bis sich der Thronsaal in zwei Lager gespalten hatte. Auf der einen Seite die Sympatisanten des Kronrates und des zukünftigen Königs. Auf der anderen die zehn Ehrenhaften Ritter mit ihrem treuem Gefolge. Letztere waren sehr wohl in der Unterzahl.
In der Mitte des ganzen erhob sich in völliger unberührtheit ein leerer Thron.

Ein Ruf des falschen Königs übertönte das Rufen der Streitenden: „Wachen! Die Landesverräter festsetzen, alle!“
Die Garde stürmte in den Raum und versuchte die zehn Ritter zu bedrängen. Diese waren jedoch, der Sitte gemäß, mit ihrem Standessymbol bewehrt, und sie wendeten sich zum Kampfe. Das drohende Übel aber, es wurde von meinem Herren abgewendet. Er sprach über die Versammelten hinweg:
„Einhalt sei euch geboten, Ritter und Gardist gleichermaßen. Die Heiligkeit dieses Ortes soll nicht durch solche Freveltat zunichte gehen. All`wo wir streiten für, es ist die Ehrbarkeit dieses Thrones, vor dem wir im Begriff sind uns zu vergehen! Ich rufe Jene, die sich mit mir gegen Königsfrevel wanden, auf, das Schwert zu senken und zu hören!“
Die Versammelten schenkten ihm gehör, es stand ihnen alle nicht nach einem Gestech. So fuhr mein Herr fort:
„Mein Herr war uns König, doch ebenso war er uns ein Leitbild an Tugend, das zu wahren ich mein Leben geben würde. Ist es Schande, die uns vorbestimmt, durch mißverstandne Tugend dieselbige zu stürzen? Unser Herz gehört jenem grünem Baum, der seine Wurzeln in den Boden dieses Landes schlägt. Wir gaben unser Schwert und unser Leben für das Wohlergehen dieses Baumes, für das Wohlergehen unseres Königs. Ich spreche mit Stolz die Worte, die mir meine Pflicht gebietet, die Pflicht meinem König zu folgen bis zum Tod. Wenn der Weg meines Königs im Dunkel verborgen liegt, dann werde ich, beim Drachen, ihm ins Ungewisse folgen. So sage ich, ich will scheiden von diesem Ort, dem ich nichts schuldig bin! Allem will ich hier entsagen, bis auf meinem Schwur und der Tugend dem er gilt. Ich werde ausziehen in dies Dunkel, meinem Lehnsherr folge zu leisten. Und mag ich eines schicksalsschwangren Tages ein lieblos Grab am Rande eines Weges finden, so sollen all Jene, die vorüber schreiten, Zeuge meiner Ehre sein. Für Ehre, König, Tugenheit! gab ich mein Leben hin!“
So sprach er und ging. Ohne ein weiteres Wort folgten Ihm die restlichen 9 Ritter. Einer nach dem anderen. Niemand stellte sich ihnen in den Weg, und bevor sie duch die große Flügeltür entschwanden, kniete ein jeder zum letzten Male vor dem leeren Throne nieder und sprach stille Worte an seinen König.
Als der Zauber des Moments meine Glieder freiließ, eilte ich meinem Herrn auf den Hof hinterher, dort sattelten die gefallenen Ritter ihre Pferde zum Ritt. Ich fiel meinem Herrn zu Füßen und bat ihn daß er mich mitnehmen solle. Doch er verwehrte mir diese Bürde. Niemand der Zehn nahm Gefolge mit. Er sagte daß das, was geschehen würde, eine Probe der Tugend sei, eine Probe der Rechtschaffenheit und Treue. Diesem Weg zu folgen, das würde mir mein Schicksal selber offenbaren.
Mit einer stummen Träne im Auge folgte ich dem einsamen Tross mit meinen Blicken, bis er in den kalten Waldpfaden der nahen Wälder entschwunden war.
Ich habe das Antlitz meines Herrn nie wieder erblickt. Nur in meinen Träumen zeigte er sich oft. Auch wenn die ersten Wochen hart waren, das Leben ging weiter. Der Winter verging, auch wenn er länger war als jeder, den ich je erlebt. Trogart wurde als König anerkannt, und er regierte neunzehn Jahre mit gerechter Hand. Woran er verendete wurde niemals erwähnt, doch man sagt er hätte im Wahnsinn gelitten.
Leider hofften wir vergebens auf die Rückkehr der Zehn Tugendhaften von ihrer Queste, und als Trogart starb war sein letzter Erlaß, das jeder folgende König die zehn Ritter seines Landes um sich wissen solle, die an Tugend und Rechtschaffenheit ein Beispiel für die Ewigkeit seien. Sie sollen sich auszeichnen durch Ehre und Demut und Treue, auf daß sie die Tradition des Königreichs Galladoorn mit Kraft und Tat und Stolz vertreten mögen. Diese allein sollen sich Ritter des Reiches nennen.

Ich welke nun im Alter dahin, wenn ich diese Zeilen beenden. Doch der Drache soll mein Zeuge sein, es wird der Tag kommen, an dem die Zehn Verstoßenen mit ihrem verlorenen König zurückkehren werden. Dies ist mein fester Glaube.

Wahrt das Erbe in Demut.

Rodran von Turmfeld

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