Die Rose und der Gaertner

Aus „Mein Volkstümliches Galladoorn“ von Ertzel Jasper von Adelbruck Grimmelshausen

Es war einmal ein Gaertner, der einen wunderschoenen Garten pflegte. Die schoensten Blumen brachte er zum Bluehen, am Rande des Gartens wuchsen die wilden Blumen, aus Wiesen und Suempfen, Feldern und Waeldern, so dass die Bienen und Hummeln sich dort nur so tummelten. Weiter im Innenren wuchsen die Blumen, die nicht so haeufig in unseren Gefilden bluehten, Blumen aus fernen Laendern, dessen Namen nicht bekannt sind, und in der Mitte, dort war ein Rosenstock.
Der Gaertner war beruehmt fuer seine schoenen und prachtvollen Blumen, so dass er viel Besuch erhielt, denn ein jeder wollte sich dieses Anblicks erfreuen, und er zeigte sein Reich gerne. Die Rose in der Mitte allerdings bekam selten einer der Besucher zu sehen, denn es wollte ihm nicht gelingen sie zu bluehen zu bringen, obwohl er wusste, sie ist von einem guten Stock gezogen. So verbrachte er viele Jahre damit, herauszufinden, warum ausgerechnet diese Blume nicht bluehen wollt’. Er schnitt ihr die Aeste, sammelte das Ungeziefer von den Blaettern und traenkte den Boden mit viel Traenken, die jede andere Blume zum Bluehen gebracht haetten, doch er hatte keinen Erfolg.
Er wurde alt und nahm sich einen Lehrling. Dieser lernte bei ihm viele Jahre, und er war ein guter Lehrling, und immer wieder fragte er, warum er den Stock der Rose so liebevoll pflegte, doch meistens bekam er keine Antwort darauf.
Dann, eines Tages, als sie wiedereinmal nach getaner Arbeit an dem Rosenstock saßen und dem Abendgesang lauschten, antwortete der Alte doch: „Mein lieber Junge, ich nahm den Stock dieser Rose mit aus einem Land, indem viele der Rosen zerstoert wurden, weil sie dem Herrscher nicht gefielen. Ich hoffte, dass sie in diesem Boden bluehen wuerde all der Liebe, die ich fuer sie empfinde, denn ihre Blueten waren so wundervoll, aber ich denke, sie trauert immer noch den Boden ihrer Heimat. Haette sie nur Dornen, so dass man sie nicht zerstoert so wie die Brombeere, dann koennte ich sie zurueckbringen, dann kann keiner ihr ein Leid mehr antun.“
Als am naechsten Tag der Lehrling wieder zur Rose kam, da hatte die Rose kleine Dornen ausgetrieben. Voll Verwunderung rief der Junge nach seinem Meister. Als der Gaertner dies sah ueberkam ihn helle Freude und Traurigkeit zugleich. „Hole du mir die Schaufel und die Kiepe, hol Moos und Stroh, ich werde den Stock ausgraben, wie ich es versprochen habe.“
Und das tat er. Dann wanderte er wochenlang zu der Heimat der Rose, immer auf solchen Wegen, das er genug Wasser fuer die Rose fand, zurueck in das Land, wo einst Krieg und Zerstoerung geherrscht hatte. Dort suchte er eine sonnige Lichtung inmitten des Waldes, und setzte die Rose in den Boden. Weil er aber schon alt war und die Reise ihn erschoepft hatte, schlief er ein, bevor er noch ausreichend Wasser holen konnte. Er schlief so fest, dass er nicht bemerkte, wie die Geschoepfe des Waldes kamen und die Rose begrueßten und ihr Wasser gaben. Als am naechsten Morgen die Sonne ihn weckte, da war der Rosenbusch voller wunderschoener Blueten, die lieblich dufteten. Der Anblick bewegte ihn so sehr, dass er weinen musste und den Blick abwandte, doch war ihm als haette er in dem Busch eine liebliche Frau erblickt. Da sprach die Rose zu ihm: „Geliebter, wende deinen Blick nicht ab. All die Jahre hast du daran geglaubt, dass ich wieder erbluehen werde.“
Und tatsaechlich, als er sich der Rose wieder zuwand, da stand inmitten der Blueten eine Frau, so zart und so lieblich wie die Blueten des Busches. „Dafuer und fuer deine Pflege, deinen Mut und deine Treue danke ich dir. Dein sehnlichster Wunsch, den will ich dir erfuellen.“
Sie blickte ihm in die Augen, und sie wurde sehr traurig.
„So soll es ein, sagte sie leise.“
Und als der Gaertner tot war, da kamen die Geschoepfe des Waldes abermals zu der Rose, und begruben den Gaertner unter dem Schatten des Rosenbusches.

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