Das Turnier zu Zwingern

Aus „Mein Volkstümliches Galladoorn“ von Ertzel Jasper von Adelbruck Grimmelshausen

Auf der Zwingernburg im gleichnam’gen Fuerstentum ward vor langer Zeit ein Turnier ausgerichtet, die Ritter kamen von nah und fern und ein buntes Gedraenge von Wimpeln und Bannern und den Zelten soweit das Auge reichte.
Von allen Rittern die in die Schranken traten tat sich Chlodwig von Wolfeneck aus dem schoenen Lande Beilstein besonders hervor. Jeden warf er in den Sand, die Speere barsten an seinem Schild und nach jedem Lanzengang ritt er als Sieger hervor, so dass sich bald niemand mehr mit ihm messen mochte. Mit keckem Blick sah er sich in der Runde der Ritter um, ob sich nicht noch einer finden moechte und verachtender Hohn sprach aus seinen Augen, mit denen er die Galladoorn’sche Ritterschaft streifte.
Dies wurmte unseren Landsmann Siegmund von der gruenen Weyd, der eigentlich nur als Zuschauer auf die Turney gekommen war. Doch als er sah, das sich niemand dem Beilsteiner stellen wollte, beschloss er die Ehre der Galladoorner Ritterschaft zu verteidigen und ritt entschlossen zum Stechen. Wie erstaunt sah dies der bisherige Sieger, als sich doch noch jemand fand, doch seine Haltung zeigte jedem: „mit dir wird’ ich auch sogleich fertig sein !“
Nach den ueblichen Zeremonien und Ehr-bekundungen rannten die beiden Ritter wuetend aufeinander los, waehrend alle Blicke auf ihnen ruhten. Der Boden bebte unter den donnernden Hufen ihrer Roesser, die Spitzen hoben sich … und von Wolfeneck wurd’ aus dem Sattel genommen und fiel in den Sand. Wutentbrannt stand er auf und voll Zorn und Scham rief er bittre Worte aus. „ ihr seid mit den finstren Maechten im Bund Gruenweyd, nur mit Teufelei konnt Er mich bezwingen !“ Erbost ueber diese Anschuldigung forderte Segmund den Beilsteiner auf den naechsten Tag, diesmal doch mit scharfen Lanzen, um ihm diese Luegen zu zeihen.
Es blieb bei diesem Vorschlag und am naechsten Tag stand von Wolfeneck wieder in den Schranken, den gleichen hochmuetigen Blick in seinen Augen, voller Verachtung fuer die anwesenden Ritter von nah und fern. Aber Siegmund von der gruenen Weyd… erschien nicht! Und wieder hoehnte der Beilsteiner, dass seinem Gegner nun der Mut wohl fehle und wollt sich schon als Sieger ausrufen lassen, als ein Ritter in einem dunklen Panzer auf den Turnierplatz ritt. Das Visier ward geschlossen, doch er trug das Wappen Siegmundes und der erste Gang begann. Schon beim ersten Zusammentreffen sank der Beilsteiner getroffen vom Pferd, der Schwarze aber ritt im Sturm davon und ward nicht mehr gesehen. Als man den am Boden liegenden Ritter aufhob und ihm seinen Helm oefnete sprach dieser mit matter und gebrochner Stimme: „Unnoetig ist’s, Gruenweyd gab mir den verdienten Lohn, denn meine Knechte haben ihn unvermutet ueberfallen und gemordet!“
Gleich darauf war er eine kalte Leich’.

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