Des Siegmunds Krönung

 

Erster Gesang

Wisset all´, daß der eherne Zeitenfluß fern aus dem Dunkel
Quellt, und, gleich der Feuerglut, ausglüht in dunkeler Höhe.
Stets nach vorn strebt das Schicksal in schnellhinwandelnden Schritten,
Alles hinreißend, was im Jetzt zu verharren gedenket.
Vor uns leuchtet ein Stern, der zur Zukunft uns erhellt die Pfade;
Jedoch hinter uns droht der Schleier des Vergessens alle
Erinnerungen hinfortzutilgen; was war, droht zu schwinden.
Solchem zu wehren, ist Wort und Schrift dem Menschen gegeben.
Vergangenheit: vorbei; doch was war wird durch Äonen mit dem
Geist der Tätigkeit, hin zum leuchtenden Sterne gewehet.
Auf daß, also die Tapferkeit einstiger Männer und Frauen
Uns ein Raunen der Hochachtung entnötigt. Ruhmvolle Zeiten,
Voll unendlichem Heldenmut kraftvoller Krieger und Weisen,
Die mit blutnässender Klinge und achtbarem Rate sich rühmten
Jene zu sein, die mit ihren Taten die Geschicke ihrer
Eigenen Nachkommen lenken, bestimmen und weissagen würden.
So auch vormals in den Zeiten als Siegmund von Eichenhain ewigen Ruhme
Auf sein Haupte goß; unendlichen Huld und auch Ehre
Sich und den ihm treu gesinnten Volke der schlachtenbewegten
Länder zu Galladoorn und Zwingern auflud. In Stunden des Kampfes,
Welche damals die Dunkle Zeit genannte gebildet.
Zwei der blühendsten Länder, vielbesungen mit Wort und
Lautenklängen; gelegen inmitten der blühend´ Gestade
Jener flüchtighinquirlenden Ströme des Rheyns und Meyns.
Dort nun in diesen Tagen, einten sich beiderlerlei Kampfes
Seiten, um allvereint gegen übelgesinntes zu stehen.
Denn des boshaften Schicksals Macht drang ungestüm gegen
Beiderlei Länder an. So, in gemeinsamer Not, ward gebunden
Was zuvor noch in blutiger Feldschlacht sich zu vernichten
Trachtete. Und der Sieg verbundener Kräfte Gewalt, war
Somit in jener Vorzeit der Grundstein der ehernen Einheit,
Die als junger Sproß gesäht, zum hellscheinenden Baume
Eines hochachtbaren Landes gedeihte. Galladoorn erstieg
So dem staubigen Felde des Krieges und Feindschaften alter
Rivalen endeten mit dem Gemetzel an ihren Familien.
Jenem Beispiel des heldengebürtigen Königtums Zwingern,
Welches im Range selbst sich beschnitt um des Siegruhmes Willen,
Folgeten auch die kleinen Gewichte am schwankend´ Waagbalken.
Ehrgrund und Blackheim, Rosengart und auch Waldbrunn sprachen
Alle die hochehrwürdigen Worte der Friedfertigkeit und
Schworen Derer von Eichenhain ewigwährende Bande.
Also zogen sie vereint nach jener schicksalsschwangeren
Schlacht vom hochwärtsstrebenden Plateau des Silbergebirges;
Fort vom blutigen Felde, zurück zum Hofe des Königs
Siegmund. Zu sammeln gedachte er die verbliebenen Scharen;
Hof zu halten verlangte es ihn, um zu schauen was noch es
Gab, in seinem neuen, verheerten Reiche am Meyne
Und Rheyne. Mit ihm zogen die Ersten der hohen Familien,
Welche dem grausamen Vertilgen edlen Blutes entronnen
Waren. In den Ruinen der nunmehr feuergesengten
Veste Königsstolz, ehedem weithinbesungenes Idyll
Über dem hurtighinquirlenden Arme des größeren beider
Flußgeschwister, rechtsseitig gelegen, inmitten friedvoller
Auenwälder, auf sanftem Hügelgestade gethronet;
Dort nun, gedachten sie Zukünftiges zu erörtern. Dort nun,
Zwischen geschliffenen Grundmauern, nur vom Himmelsgzelte
Geschirmt, errichtete man dem neuen Monarch einen schlichten
Throne aus dem, was der Moloch des Krieges noch verschonet hatte.
Und die Versammelten sprachen in einiger Stimme zu jenem,
Der sie an Stärke und Mute alle übertraf, und itzt
Herrscher und Schutzbefohlener aller, einst strittiger Länder
Werden sollte: Siegmund von Eichenhain! tausendfach Huld
Sowie reichliche Schenkung, der Götter würdig, empfange
Fortan aus unserer Hand und aus unserem Munde. Geehret
Seist du als König und Held im Volke Galladoorns. Also
Gelte unsere Treue, die wir dir verewigen wollen.

Zweiter Gesang

So nun hatten die Ersten der herrschenden Hohen Familien,
Ob ihrer friedvoll gesinnten Beugung unter des Siegmunds
Lehnsherrschaft,wahres Zeugnis gesprochen. Gramschweren Herzens
Schwieg der versammelte Rat der Ersten, und grabgleiche Stille
Zog, wie der Nebel nach eifriger Schlacht, über alle hinweg. Des
Krieges feldversengendes Feuer war nunmehr erloschen;
Und so drängte es alle zur Abkehr vom Rüstzeug und Kriegswerk.
Doch mit der Ruhe fand die Last des Geschehenen einzug
In aller Herzen. Unermeßliches Blut hatten beider
Königreiche Völker vergossen in unnützer Fehde.
Sosehr rührte die Schuld an der Seele des Theodes, Erster
Derer von Ehrgrund, daß er die Schweigsamkeit nicht zu ertragen
Vermochte. Vor in den Kreis, der zum Huld um den König sich formte,
Trat er, denn mutlos war er mitnichten, und sprach zur Versammlung
Die volltönenden Worte: Hört meine Rede ihr Brüder
Kriegerischen Bundes! Ich bin Theodes von Ehrgrund,
Sohn des Osrik, dem tausendfach Scham und Schande ich auflud.
Wie kann ich unter dem Banner der Eiche mich freudigen Herzens
Beugen, ohne die Schuld auf meinen Schultern zu tilgen?
Mein Wort war es, das vor unzähligen Sommern im Zwiste
Beider Königtümer den Griff zur geschliffenen Lanze
Forderte; lauter vor allen. Auf mein Drängen ergriffen
Jene, die Treue dem zwingerischen Hause geschworen
Hatten, das Heft und zogen ins baumumschattete Land des
Siegmund von Eichenhain. Solche Schuld will ich sühnen mit einer
Geste der Freundschaft und des Bedauerns. So nehmt diesen Handschuh,
Hochehrwürdiger König Siegmund von Eichenhain, den als
Erster ich wider Euch hob. So sollt Ihr nur alleine, der Fehde
Grausames Morden entfesseln und nimmermehr unter Geschwistern
Erdulden. Euer Wort alleine führt rüstige Streiter
Fortan gegen alljene, welche Galladoorn seines
Glückes zu rauben sich erdreisten. Ein Land und ein Wille.
Also sprach jener die achtbaren Worte und legte voll Demut
In des Königs Hand den Handschuh der Fehde des Landes.
Daraufhin hob sich der mächtige König und heftete sich den
Handschuh an den Leibgurt aus edelstem Erze und voller
Rührung doch mit Bestimmtheit erwiederte er dem Theodes
Solches: Tausendfacher Dank sei Dir, weitgerühmter
Theodes, teilhaftig und auch Vergebung für eifrigen Zorne,
Welcher einst dich beherrschte doch nunmehr zu göttlicher Güte
ward. So trag ich fortan dieses Zeichen der Fehde und Einheit.
All dies, vernahmen und sahen die Männer des Rates voll Staunen.

Dritter Gesang

In den Kreis seiner Kampfesgefährten zurück, trat Theodes.
Und es rührte all jene zu Tränen, die Geste des Mannes.
So, in stummer Betroffenheit, senkten die Köpfe sich nieder,
Doch auf dem feuergeschwärzten Boden fand keiner Vergebung
Für die Taten wider des neugewonnenen Bundes
Geschwister. Aber die herzende Tat des weithingerühmten
Theodes, war ihnen alle ein Beispiel; und Georg Sartinav,
Aus der Familie Blackheim, schickte sich an ihm als erster
Nachzufolgen. Gekleidet im blutgeschwärzten Gewande
Trat er mit forschem Schritt und jugendlichem Gebärden
Vor die Versammlung und redete also: Landesgeschwister,
hört meine Worte. Ich bin Georg Sartinav von Blackheim,
Sohn des Imanow, welcher aus Dunklem Lande herauszog
Um in friedliebender Morgenröte seiner Familie
Glück zu finden. Mag ich auch unverständig im Ratschluß
Sein, denn die Jugend vermag nicht dem Alter an Weisheit zu gleichen,
So will ich dennoch meiner Familie Schuld hier benennen.
War es Theodes, welcher als erster zum Rufer im Streite
Wurde, so war es mein Neid der den Ruf zu der Waffe begrüßte;
In des Siegmunds Ländern lag unermeßlicher Wohlstand,
Welchen zu rauben es mich verlangte. Solch gieriges Neiden
Blendete mich und auch andre. So will ich Euch schenken, was einzig
Mir geblieben von meinem Besitz: diesen edelgewirkten
Beutel aus göttergleichem Gewebe, gefüllt mit dem Golde
Meiner Familie. Neid und Verlangen nach meiner Gebrüder
Habe, soll sich nimmermehr unser bemächtigen. Also
Schloß der Jüngling edelen Blutes und reichte voll Demut
Jene Gabe. Mit tränendem Auge empfing König Siegmund
Das Geschenk, und verwahrte es sicher am Leibrock aus Golde.
Alldieweil der Erste der hohen Familie von Blackheim
Sich zum Kreise zurücke wandt, verkündete allen
König Siegmund von Eichenhain folgendes: Jugendlich magt ihr
Sein, o Georg Sartinav von Blackheim, doch eure Worte
Zeugen vom göttlichen Ratschluß, der schon euren Vater unsterblich
Machte. Allen verkünd ich´s: dieser Beutel hier, soll uns
Fortan vor allem Neide wahren; in ihm ruht Wohlstand
Welcher ungeteilt allen im Reiche Galladoorn zukommt.
Dieses Land ruht nunmehr in einer Hand, und aus einer
Hand allein, wird es Wohlstand oder Verderben empfangen.
All dies, vernahmen und sahen die Männer des Rates voll Staunen.

Vierter Gesang

So nun hatte der Herrscher von Frostwald die Schuld seines Namens
Ausgelöscht, mit dem schöngewobenen Beutel voll Erze.
Und aus des Kreises Runde trat ein anderer hervor;
Eine Gestalt, gekleidet im rüstigem Erze der Feldtracht des Krieges.
Erenor, aus der schlachtenbewanderten Blutlinie, welche
Rosengart geheißen ward. So nun, im mondsilbrig´ Küraß
Fest umschirmt, versenkte die Lanze der schwärzlichbelockte
Held in des Kreises Boden. Ein edelster Mann, wenngleich er nur
Eines Ritters Titel trug; dennoch vor allen gerühmet
Ob seiner kraftvollen Waffenhand, wie auch des göttlichen Mutes.
Und hinnieder kniete der vielbesungene Streiter,
Neben seiner Lanze bebenden Schaftes, und sprach so:
Alldieweil ich der hochverehrten Männer gelauschet,
Hieß mich mein Herze das Wort zu erheben. Nur eines Ritters
Stand bekleidet mein Name, doch ich will allen hier Künden,
Welchen Rechtes ich mich berufe, um in der Herrscher
Kreis zu sprechen. Ich bin Erenor, aus derFamilie
Rosengart, die seither für den Turm von Zwingern gefochten,
Und den Grauen der männermordenden Feldschlacht getrotzet
Hat. Vor noch nicht ganz zwei Tagen, da standen wir alle
Hocherhobener Lanze auf dem leichenbesähten
Acker des Streites, und trachteten einig dem Dunklen zu trotzen;
Dort, in jenem engen Getümmel der Leiber, verloren
Ungezählte Söhne des Landes ihr Leben im Kampfe.
Und in des Mordens wirrem Geklirre geschah es, daß unser
Neuberufener König, Siegmund von Eichenhain, allzu
Arg vom Feindeshaufen bestürmet ward. Unumgänglich
Schien des Todes bittres Verhängnis den Göttern beschlossen.
In des ungestümen Kampfes Hauen und Stechen,
Traf, mit mächtger Gewalt, eines höllischen Streiters geschärfte
Axt den neuen König am erzummantelten Haupte.
Jedem geringerem Manne hätte solch machtvoller Hieb den
Helm und das Haupte gleichermaßen gespalten; doch nicht so
Siegmund von Eichenhain. Jenem, vom Schlage betäubet, entfuhren
Lanze und Schild und zu Boden stürzte der götlliche König.
Ich war es, welcher durch der Feinde dichtes Gewimmel
Zu dem Gestürzten drang, und Trauer und Gram seinen Liebsten
Sparte. Und mit diesem Mantel, der meine erschlafften
Schultern brämt, bedeckte ich den verwundeten König;
So daß der Staub des Kampfes nicht sein edeles Antlitz
Schmähen würde. Und eben diesen Mantel will ich zum
Kriegsgeschenk Euch machen; denn aller Freundschaften Bande
Sollen auch in fernen Zeiten Wärme und Schutz Euch
Spenden. Also klangen die ungetadelten Worte.
Daraufhin trat er voll Demut an den Throne des Königs,
Und umschürzte jenen mit dem göttlichgewirkten
Mantel der Freundschaft; gewoben im Streite, geweiht erst im Kriege.
All dies, vernahmen und sahen die Männer des Rates voll Staunen.

Fünfter Gesang

Voll bewegten Herzens, hatte der König des neuen
Landes Galladoorn nun den prunkenen Mantel empfangen;
Weder Wort noch entlohnende Tat hätten mehr, denn des Königs
Dankende Blicke, aus dem Herzen zu sprechen vermöget.
Als der rüstige Erenor seinen Platze im Rate
Wiedereinzunehmen sich anschickte, wohl hinter
Männern des erblichen Standes, da trat in den Weg ihm der greisige
Arnulf von Eulengrund, weiser Baron des gleichlautenden Landes.
Und den Krieger hemmt er im Gange mit bebender Rechten,
So daß jener verharrt um des Alten Rede zu hören:
Recht so, Sohn des göttlichen Kampfes, hast du gesprochen;
Gleich einem Ersten aus erblichem Hause gebiert sich das Worte
Aus deinem Munde. Doch hör´ welchen Ratschluß ich dir nun verkünden
Möchte, denn es geziemet der Jugend das Alter zu achten!
Kraftvoll im Streite bist Du, o Erenor; schlugest mit deiner
Nervichten Rechten schon manch eine Fraue zur Witwe; wohl auch die,
Welche heute unseres neuen Bundes Geschwister
Sind. Die Jugend verleiht dir Kraft zu niemals gekanntem
Ruhme, doch sei kein törrichter Narr. Der Freundschaften Bande
Scheinen im jungen Leben noch ewigen Dauerns zu sein. So
Höre, von was ich dir mahnenden Rate offenbaren nun werde:
Einzig der Glaube an der Freundschaft ewige Treue,
Wird eines Reiches Bund nicht zu halten wissen. So füge
Zu dem Mantel der Freundschaft die Kette der Folgsamkeit, damit
Nicht die Bundschaft Galladoorns mit dem Eifer des Tages
Schwindet und bricht. Sodann ließ der Greis auf die Worte die Taten
Folgen, und entnahm jedem Ersten der herrschenden Häuser,
Dessen Wappengehäng´ von dem Leibgurt. Alle gehorchten,
Was der Greise Arnulf ihnen gebot. Nur des Waldwachts
Erster verweilte nicht in jenem Kreise, er hatte
Herzblut und Leben auf dem unbarmherzigen Schlachtfeld
Eingebüßt. Dessen Wappen reichte der Erenor dar, denn
Jener hatte in dessen Gefolge huldbar gedienet.
Allzuletzt fügte der greise Arnulf sein eigenes Wappen
Hinzu, und formte aus diesen acht Feldinsignien eine
Kette der Bindung und Folgsamkeit; jedes der Glieder, um einem
Bundesbruder ein Mahnmahl zu sein. Denn auch eine freie
Beugung unter des Siegmunds Macht, ist doch stets ein Beugen.
Also endigte Arnulf von Eulengrund seinen Ratschluß; und
All dies, vernahmen und sahen die Männer des Rates voll Staunen.

Sechster Gesang

Unter dem sonneverklärten Himmel Galladoorns standen
So die treuen Gefolgsleute des neuen Bundes, und sprachen
Achtung und Beipflicht der Rede des Arnulf aus. Somit hatten
Vier der acht Ersten der Länder, mit ruhmvoller Rede und Tat sich
Ewige Andacht der Nachkommenschaft erworben, indem sie
Siegmund von Eichenhain ihren unbändigen Willen zu Eintracht
Und zu Folgsamkeit bekündet hatten. Was durch den
Feinen Theodes begann, ward von Ehre zur Bürde geworden;
Solches verwehrte dem musenbeschenkten Lobmann von Herzfeld
Dennoch nicht, als nächster des Rates den Kreis zu betreten.
Jener kluge Gebieter der meynischen Felder und Weiden,
Welche der Götter maßvolles Zuteilen prächtig bedachte,
Er entsandte mit seidengewirkter Zunge die Worte
Göttlichen Dichterklanges und begann so: o, wahrlich,
Wenn Vorangegangener Männer Rede, von solcher
Wahrheit und göttlichem Ratschluß durchwoben ertönt, so beschämt es
Jeden, der solch klugen Worten nur beizupflichten versteht, denn
Kluger Rede Ehrhabenheit ehrt nur den, der als erstes
Solche verkündet. Denn jeder Folgeredner, auch wenn er
Ungebändigten Herzens solcher Rede entflammt, so
Pflichtet er doch nur bei. Wie kann ich nun Euch, vielgeehrter
Siegmund von Eichenhain, meines Herzens Empfinden Euch kund tun,
Ohne den blassen Abglanz gesprochener Worte zu fürchten?
Laßt mich Euch mit huldigender Tat meines Herzens
Treue bezeugen: Bei dem Geschlecht der hochwaltenden Götter
Will ichs beschwören. Jedes nahrhafte Mahl und auch jeden
Lebensspendenden Trunk will ich scheuen, bis ich einst diesen
Schwur euch erfüllet: Hin, zu allen Provinzen, die mit euch
Gegen der Feinde dämonische Bruten standen, und nun sich
Einigkeit loben, will ich reisen. Nicht eines Rosses
Hurtiger Lauf soll mich tragen; zu Fuß werd ich jedes
Schlachtfeld bereisen, welches den meisten der unsrigen einst die
Glieder erlöste. Dort will ich jenen voll Demut gedenken,
Die der grausige Stahl im Strudel des Kampfes hinwegriß.
Und einer jeden Provinz will ich eine handvoll des Bodens
Schöpfen, der der verwirkten Freunde Blut aufgesogen
Hat. Und diese Erde aus allen Gefilden des Reiches
Werd´ ich in erzener Kugel versiegeln, gekrönt mit dem Baume
Eures heldengebürtigen Stammes Wappen. Der Boden
Galladoorns soll dann stets vereint in den eurigen Händen
Ruhen; so es der Götter Schicksalswille ist, wird sich
Niemals mehr Blut der Kinder des Landes über den Boden
Jenes Landes ergießen. Ermahnt Euch nur stets an die Bürde.
Alsdann schloss der kunstfertige Lobmann von Herzfeld und kniete
Nieder vor des Siegmunds Thron. Mit der Linken enthob er
Seinen schöngewirkten Helme des Hauptes; die Rechte
Füllte sich mit aschengeschwärzter Erde des Bodens.
Jene dann, gab er in den rundlichen Helm seiner Väter,
Und dann entschwand er der hohen Versammlung, den Schwur zu begleichen.
All dies, vernahmen und sahen die Männer des Rates voll Staunen.

Siebter Gesang

Alldieweil sich der musenbeschenkte Lobmann von Herzfeld
Hurtigen Fußes vom Orte des Rates entfernet, um seiner gelobten
Queste zu folgen, da erscholl ein grimmiges Lachen
Aus des Ludwig von Waldbrunns mächtiger Brust. Und des hehren
Barones schwere Schritte, lenkten zur Mitte des Kreises den Helden.
Herrscher zu Waldbrunn war er, und grausamster Schlachtendurchwüter
In des Zwingerschen Fürsten Gefolge. Gerüstet vom Haupte
Bis zur Sohle in silbrigerzenem Rüstzeug, von dem man
Sagte, der Götter einer, hätte es ihm zum Geschenke
Dargebracht; an seine Hüfte gegürtet schwang eines Opfers
Klinge, welche der Leiberzermalmer von eines Gegners
Blutig geteiltem Kadaver geraubet hatte. So, hohnvoll,
Sprach der Gewaltige: töricht, oder vergeßlich nur, ist des
Rates Versammlung. Weiberhaftes Geschwätz von der Freundschaft
Bande und der Einigkeit. Mag es sein, daß die allzu
Klugen Männer des Rates etwas vergaßen, in ihrem
Zarten Gerede? Was bringt der innigste Bund, wenn des Krieges
Er sich enthält? Gewiß war die Einheit derSchlüssel zum Siege,
Doch es war ein Sieg der Klinge in mordender Feldschlacht.
Und die Zeit wird neues Leid uns bringen, wie es des
Schicksals Wille ist, daß wir uns in rüstigem Streite
Messen. So sag ich es laut, daß es alle vernehmen: verschmähet
Nicht das kriegerische Handwerk, denn müßigen Ganges
Fahret ihr sonst in des Todes schwarze Verhängnis; ob einig
Oder nicht. Drum soll jenes Schwert, welches an meiner Linken
Baumelt, meine Gabe und mein Zeugnis der Folgschaft
Sein. Gewiß erkennt ihr es wieder, o göttlicher Siegmund.
Einstens entraubte ich es dem Leichnam eures geliebten
Vaters in blutigem Zweikampf. Meine nervichte Rechte
Löste jenem die Glieder und es rasselten um ihn
Waffen und Rüstzeug. So nun gebe ich, was einst des Vaters
Eigen war, an den herrlichen Sohne zurück. Damit er nicht
Über den neugewonnenen Frieden den Krieg mir vergesse.
Und der unbezwungene Streiter gab jene edle Klinge
In die Obhut des Siegmund von Eichenhain, welcher sie, voll der
Tränen ob des Vaters Erbe, empfing. Dann zur Antwort
Sprach er die geflügelten Worte: Meines geliebten Vaters
Mord zu Rächen trachtet es mir, doch Galladoorns Frieden
Schätze ich höher, als meinen eigenen. Mögen die Götter
Meiner Barmherzig sein, wenn ich des Vaters Rache zum Wohle
Meines Reiches opfere. Dann, mit achtvoller Beugung,
Trat der mächtige Ludwig in den Kreise zurück; und
All dies, vernahmen und sahen die Männer des Rates voll Staunen.

Achter Gesang

Mit solch kühner Rede bedachte der Ludwig von Waldbrunn
Seinen neuen König. Doch Kühnheit betrübte ihm dennoch
Nicht den Sinn für die schickliche Folgsamkeit, wie sie dem Diener
Ziemlich ist. Ungestüm im Streit und in Folgsamkeit, so war
Ludwig von Waldbrunn. Aber im Kreise war einer, dem jene
Maßlose Rede ob des Kriegshandwerks Nutzen und Wirken
Ärgstens mißviel. Ein Sohn aus dem streitigen Hause von Leutern,
Ortos genannt; ein Bruder des schrecklichen Eric von Leutern,
Welcher erster Ritter der Nacht gewesen war. Jener
Schritt nun wutentbrannten Herzens dem Ludwig entgegen
Und es entschallte ihm also: Welche Rede muß ich aus eurem 350
Munde vernehmen, selbstgerechter Gefolgsmann des Krieges?
Dreist und hohnvoll sprachet ihr wider den König des neuen
Bundes, schmähet gar noch der Freundschaft Bande. Doch glaubt ihr
Aller Kriegsvölker Macht hätte gegen die dunkle Verdammnis
Stand gehalten, ohne der Freundschaft Bande? Und war es
Nicht auch der Krieg, welcher vor dem erstarken des höllischen Feindes,
Unser aller Leben zu verzehren gedrohet?
Narr! so nenn´ ich euch, wenn ihr den blutigen Herren der Schlacht so
Rühmend besingt, und der Einigkeit solche Mißachtung nur zollet.
Auch eure achtlosen Worte wider den Vater des Siegmund,
Würd´ ich mit eurem Blut zu entlohnen wissen, wenn es nicht
Unseres Königs Wille wäre, solch Schmähung, zum Wohle
Aller Bundes Glieder, zu vergeben. So gelten
Mir eure Worte nicht mehr, wie die eines Schwachsinnigen, denn
Nur der Kampfeslust Maß wiegt sie in eurem Munde. Wie anderst
Könnte es sein, sagt man doch, eure Kinder wären nach Grauen
Und nach Furcht benannt. Meinen König will ich vor solcher
Blinden Kriegergesinnung zu schützen wissen, die all´ ihr
Glauben und Stärke nur aus der stählernen Lanze zu ziehen
Weiß. Die Wahrung des Friedens und der Freiheit bedarf nicht
Einer blutigen Schwerthand, welche unzählige Frauen
Ihrer prachtvollen Söhne beraubt und zu Witwen sie schlägt; ein
Maßvoller Geist, reif an Weisheit gediehen, bedenket vor allem
Seines Landes Heil. Und tauscht so das Schwert mit dem Schilde,
Denn wer den sengenden Moloch der Schlacht aus gefallen am Kriefswerk
Ruft, der handelt wieder die lieblichen Götter der Hoffnung.
Also soll mein Geschenk an des neuen Bundes Beherrscher
Schild, und nicht Schwert sein. Damit man bedenket zu welchem Behufe
Sich das Schwert zu erheben hat. Nur dem Wohle des Landes
Soll es willfährig sein. Todbringender Bote den Feinden
Galladoorns, unbarmherziger Rächer wider all jene,
Welche sich unbeugsam unseres Königs Willen entziehen.
Nach der Parade, folge der Hieb. Darob will ich mein Schild nun
Meinem trefflichen König darbringen, damit er voll Weisheit
Richten, Strafen und Schützen möge. Nach Worten erfolgten
Taten, und Ortos von Leutern beugte die Knie vor des Königs
Machtvollem Antlitz und legte den Schild ihm zu Schoße, den jener
Kraftvollen Armes empfing. Und der König entgegnete also:
Weisheit und göttliches Kampfesgebärden machten euch allzeit
Zu dem besonnenen Schutz meines Thrones, so wird auch in Zukunft
Euer Wappen das mächtigste Schild mir sein. Eure Gabe
Ist mir zwiefach bedeutsam, denn alter Freundschaften Bande
Müssen durch achtbares Wort und durch Tat, zu erneuerter Stärke
Finden, ansonsten vergißt man ihrer. So endete Siegmund,
Freudigen Herzens ob des alten Gefährten Verkündung.
All dies, vernahmen und sahen die Männer des Rates voll Staunen.

Neunter Gesang

Und nachdem sieben der neuvereinten Gefolgsmänner ihre
Treue und huldsame Ehrerbietung bezeugt hatten, war nur
Einer im Rate, welcher noch keines der rühmenden oder
Schmähenden Worte gesprochen hatte. Es war dies der mächtige
König fruchtbarer Länder und erzbeschenkter Gebirge;
Alter Herrscher, der neuen Bundesgenossen des Siegmund;
Götterbegünstigter Rufer im Streite, Hellbronn von Zwingern.
Ehern beschirmt, von erzgewirkter Rüstung, bezeugte
Er mit stummer Gebärde die Zustimmung zu jeder Rede.
Schwerlich nur, war des hühnenhaften Länderbeherrschers
Sinnen zu raten. Doch als der Ortos von Leutern geendigt
Hatte, trat in des Kreises Mitte der göttliche Hellbronn.
Alle herum verstummten in achtsamer Stille und lauschten
Hellbronns Worten: So nun, ist es vollbracht. Seine Treue
Zeugte Dir ein jeder, unbezwungener Siegmund.
Aller vergangener Hass, zerschellte am drohenden Ende
Unserer beider Reiche. Aus Neid, Hass und Habgier erwuchs nun
Eines kraftvollen Bundes Kette, die zu zersprengen
Schwerlich gelingen dürfte; zuviel unserer Väter und Söhne
Blut ist auf dem Boden geronnen, alsdaß uns ein neuer
Zwist, die gemeinsamen Tränen vergessen ließe. Doch welchen
Preis, birgt der Frieden unserer Länder? Mein Anspruch als König
Ist nicht mehr. Die Wohlfart der Völker bedeutet den Diebstahl
An meinen Kindern, denen ich Land und auch Titel geraubet.
Aber voll hoffnungsbeschwingten Herzens erbitte ich ihre
Gnade. Gilt es nicht eher dem Sohne den Frieden zu wahren,
Als ihn mit Königswürden in männermordende Feldschlacht
Zu gebähren, auf daß er im Hasse gezeugt auch dem Vater
Einstmals ein würdiger Mörder brüderlichen Geschlechtes
Würde? Oder vermag ich der Tochter unendliche Gram mir
Aufzuladen, wenn ihren Liebsten der Menschenvertilger
Gräßlich entstellt als Leichnam zurückläßt, den Vögeln zum Fraße?
Sicherlich nicht! Drum gelte mein Land und mein Name von diesem
Augenblicke, nunmehr als Fürstenhaus Zwingern. Den Anspruch
Königlichen Geschlechtes soll somit mein Bruder im Geiste,
Siegmund von Eichenhain, tragen.Denn jenen erachte ich mir selbst
Gleich an klugem Ratschluß und rüstigem Streite. So beugt sich
Meiner Familie Haupt, vor dem Feind vergangener Tage,
Allsolang mein Name bestehe. So gilt mir die Zukunft
Unseres Bundes Gemeinschaft fortan als alles im Leben.
Voller Demut entbiete ich dir nun die Krone der Ahnen,
Welche mein Haupt als König geschmückt;und bedenke von wessen
Gnaden du sie empfangest.So füge zu eins sie, mit deiner
Krone, damit es fortan nur noch eine Einheit von beidem
Gebe, zum Wohle all unserer Völker. Also gelobte
Hellbronn von Zwingern mit göttlicher Weisheit Rede. Und solches
Sprach der Siegmund darauf: o weithingerühmeter Hellbronn,
Solche Tat ist der Ewigkeit würdig, und nimmer vergessen
Solches die Kinder unserer Nachkommen. Dein ist die Gabe
Herrlichen Friedens, wie er seit Anbeginn nur erträumet.
Keiner Worte weiß sich der Mensch zu befleißen, um deiner
Tat gerechten Huld zu sprechen, so kann ich voll Scham nur
Schweigen, und mein Haupte versenken vor solch großer Tat.
Und es beugte voll innigster Rührung der Siegmund sich nieder,
Alldieweil Hellbronn von Zwingern seine Krone dem neuen
Herrscher des einigen Galladoorns, tränenden Auges verleihte.
All dies, bezeugten und ehrten die Männer des Rates voll Demut.

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