Heerwesen – Geschichte des Heerwesens in Schwingenstein

Zu Zeiten der Herrschaft der Zaren Kharkovs über Schwingenstein vermochte die damalige Grafschaft Schwingenstein nur einen Heerbann aus schlecht bewaffneten und schlecht ausgebildeten Bauern zusammenzurufen. Oftmals waren Mistgabel oder Sense die beste Bewaffnung der Bauern. Im Kriegsfalle war es an den Edlen der Baronie Truppen auszuheben und dem Zaren damit zur Verfügung zu stehen. Wenn dies geschah, dann mussten die Bauern von ihren Feldern kommen und in den Krieg ziehen. Die Felder blieben brach und unbestellt zurück. Da Schwingenstein seit jeher ein Streitpunkt zwischen den Reichen Kharkov und Galladoorn war, befanden sich die unausgebildeten Bauern Schwingensteins sehr oft im Krieg. Darunter litt nicht nur die Moral der Bevölkerung, sondern auch die Ernte und die Wirtschaft der Provinz, auch wenn es vergleichbar selten zu wirklichen Kämpfen kam. Ob der fehlenden Arbeitskraft verfiel die Provinz langsam in Armut. Nachdem es im Jahr 5 Robert (315 Sigmund) zu der Niederlage der galladoornischen Truppen unter König Robert, dem Blutigen gegen die Armee des Zaren und der fast völligen Auslöschung des schwingensteinischen Aufgebots auf den Feldern bei Teresperinka (unweit des heutigen Pavlodar) kam, und womit Schwingenstein wieder einmal an Kharkov fiel, stürzte das die Provinz in die schwerste Krise ihrer Existenz. Eine große Hungersnot kam über das Land und Hunderte starben im folgenden Winter. Die Grafschaft benötige viele Jahre, um sich von diesem Schlag soweit zu erholen, daß es wieder in der Lage war sich selbst zu versorgen und wieder daran denken zu können, im Kriegsfall eigene Truppen stellen.

Die zu dieser Zeit schwachen Grafen Schwingensteins entschlossen sich, um eine solche Entwicklung nicht nochmal durchmachen zu müssen, einen Heerbann aufzustellen, der aus ausgebildeten Knechten bestehen sollte. So gab man entsprechende Anweisungen an die Lehnsnehmer der Grafen aus, dass die Lehnsherren in Schwingenstein ihre Haustruppen zu verstärken hatten, und dass sie von diesen ausgebildeten Kriegsknechten im Kriegsfalle einen beträchtlichen Teil den Grafen zur freien Verfügung zu überlassen hatten. Die Mehrausgaben hatten die Lehnsnehmer zu tragen. Trotz der üblichen Proteste setzten sich die Grafen im Laufe der Jahre mit der Forderung durch, nicht zuletzt durch unbarmherzige Repression. Im Jahr 17 Robert entschloss Robert, der Blutige, König von Galladoorn, sich Schwingenstein zurückzuholen. So marschierte König Robert mit einem beträchtlichen Heer aus galladoornischen Rittern wieder gen Kharkov. Nahe dem schwingensteinischen Dorf Varma schlug Robert die Armee des Zaren innerhalb weniger Stunden entscheidend und hieß die Gefangenen zu töten. Doch den endgültigen Sieg konnte er noch nicht verkünden lassen, denn das Aufgebot Schwingensteins unter Graf Sergej von Schwingenstein und einigen seiner Ritsar stand noch im Feld, alleine, dezimiert und erschöpft, doch sie standen und lachten den Truppen des Königs ins Gesicht. Wütend über diese Dreistigkeit hetzte der König seine Truppen auf den stark unterlegen Haufen, der stolz dort im blutgetränkten Felde stand und weder weichen, noch aufgeben wollte. Jeder einzelne Schwingensteiner der dort stand, starb, niedergestreckt von den Klingen der Galladoorner, doch nicht ohne den Truppen König Roberts einen Kampf geliefert zu haben, den diese nicht mehr von dieser müden Schar erwartet hatten. Der nun endgültig siegreiche, aber vor Wut schäumende Robert, ließ den Kopf des Grafen auf eine Lanze pflanzen und ließ diesen auf dem Felde zurück als Mahnung für die Bevölkerung Schwingensteins. Sergej’s erstgeborenener, noch blutjunger Sohn Boronin von Schwingenstein unterwarf sich Robert, der schon bereit war, den ganzen Landstrich zu entvölkern. Doch schließlich setzte er Boronin als galladoornischen Baron ein, ließ ihn den Lehnseid schwören und zog sich zurück. Trotz der Niederlage ging die Nachricht über den standhaften Untergang des Aufgebots in Schwingenstein um wie ein Lauffeuer. Auch der neue Baron Boronin von Schwingenstein war der Meinung, daß sich der neue Heerbann bewährt hatte und enschied, daß ein neues Aufgebot aufgestellt und ausgebildet werden sollte, so daß, wenn es wieder einen Krieg geben sollte, fähige Krieger in den Heerbann befohlen werden könnten. Dem Ersten Aufgebot, wie es seit dem Tag genannt wurde, als es im Kampfe gegen die Galladoorner unterging, wurde in Varma ein Denkmal gesetzt, daß noch heute dort steht. In der Erinnerung der Schwingensteiner blieb dieses geschichtliche Ereignis als Der Untergang des Ersten Aufgebots bestehen.

In der Dunklen Nacht Galladoorns im Herbst des Jahres 39 Erion wütete das Chaos auch in Schwingenstein. Vor diesem Tag der Finsternis, an dem die unheimliche, dunkle Macht weite Teile des Königreiches in Schutt und Asche legte, unterhielt die Provinz einen Heerbann von rund einhundert, mehr oder weniger ausgebildeten Kämpfern unter dem Befehl der Ritsare oder Landvögte. Dazu kamen noch einige Dutzend Stadtwachen und die Büttel in den Dörfern, sowie die Wachmannschaften der Freiherrentümer und die Leibwache der Baronin. Alles in allem hatte die Baronie Schwingenstein damit etwa zweihundert Kriegsknechte oder -mägde unter Waffen. Nach dem Anschluss an Galladoorn sollte das Heer auf vier Banner in Friedenszeiten reduziert werden. Im Kriegsfalle sollte die Baronie acht Banner stellen und unterhalten können.In jener unglückseligen Nacht und dem darauf folgenden Chaos, wurden der Heerbann Schwingensteins fast komplett aufgerieben. Sowohl die Aufgebote der Freiherrtümer als auch die Stadtwachen erlitten empfindliche Verluste bei der Sicherung der Städte und Provinzfestungen. Als Ersatz zog die Baronin Bauern zum Kriegsdienst heran und bildete so eine Bauernmiliz, um sich wenigstens rudimentär verteidigen zu können. Am Rande der Provinzhauptstadt Taveresk ließ der dmalaige Vogt Schwingensteins, Romarik von Tauenrank zwischen den Jahren 2 und 4 Viviane die erste, neue Kaserne der Baronie errichten, um die Bauernmiliz schrittweise mit ausgebildeten Kriegsknechten zu ersetzen. Seit der Fertigstellung des Baus im Herbst des Jahres 4 Viviane läuft der Lehrbetrieb praktisch ohne Unterbrechung um möglichst schnell ausreichend ausgebildete Kriegsknechte zum Schutz der Baronie und zur Verteidigung des Reiches zur Verfügung zu haben. Im Laufe der Zeit bürgerte sich für die so neu aufgestellte Wachmannschaft des neuen Barons wieder der alte Begriff Blauröcke ein. Im restlichen Schwingenstein verfuhren die jeweiligen Lehnsherren ebenso und stellten nach und nach ihrerseits neue Truppen auf, um die Kampfkraft ihrer Krieger wieder auf den alten Stand vor der Katastrophe der Dunklen Nacht zu bringen.

Die Vorfälle der Dunklen Nacht im Jahre 39 Erion haben die schwingensteinischen Provinztruppen stark dezimiert. Nach dem Wiederaufbau der ersten Kaserne in der Nähe von Taveresk diente ab 5 Viviane wieder ein schlagkräftiger, wenn auch noch recht unerfahrener Heerbann unter dem Befehl des Barons. Vier Banner aus mehrheitlich zusammengezogenen Bauern, sowie dem neuen 1.Schwingensteinischen Gardebanner, der damaligen Leibwache des Barons, standen lange im Süden Erbnachts im Gebiet des Fürstentums Zwingern. Dort hatten sie im Winter 5/6 Viviane zusammen mit den Kronmarktruppen unter dem Befehl des des Reichsritters Hubert von Sternenschlucht die Stadt Silberfels entsetzt, die von Söldnern des Ordens der Schwarzen Flamme belagert worden war. Dort erlitt der schwingensteinische Heerbann und vor allem das 1.schwingensteinische Gardebanner die schwersten Verluste in diesem Krieg. In den folgenden Jahren unterstützte die sommburgische Artillerie die Bauernmiliz bei der Sicherung der Provinzgrenzen, mit Hauptaugenmerk auf die Reichsbrücke. Nachdem im Frühjahr 6 Viviane der Orden der Schwarzen Flamme und die Besatzer Ernachts in der Schlacht vom Dalatrium und der Schlacht auf dem Herzfeld unterhalb der feste Erbnachts vernichtend geschlagen und endgültig besiegt worden waren, ist Frieden im Reich eingekehrt und der Wiederaufau beginnt einmal mehr. Im Sommer des Jahres 13 Viviane verschwindet der traditionelle Heerbann im Zuge einer ausgedehnten Heeresreform in Schwingenstein und macht dem stehenden Aufgebot der Blauröcke Platz. Der finanzielle Aufwand ist für den Baron ungleich höher, doch stützt das Ausrüstungsmonopol der Truppen die Macht des Barons über seine Lehensnehmer und stärkt gleichzeitig die Schlagkraft der schwingensteinischen Knechte. Seitdem steht die Baronie militärisch wieder auf dem Stand, den sie vor dem Kriege inne hatte.

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