Das Erntedankfest „Poshinajet“

~ 21. September ~

„Poshinajet“ ist der Tag der Dankbarkeit für reiche Ernte und Schutz vor Krankheit und Verderben von Vieh und Saat. Mütterchen Kharkov, so sagt man hier, beschützt ihre Kinder und sorgt für sie. Während des „Poshinajet“ ist es vor allem das einfache Volk, dass seinem Land dafür etwas zurück geben will.

Das Poshinajet ist vor allem ein Fest des einfachen Volkes. Die Wurzeln dieses Festes gehen lange zurück bis vor der Gründung des Reiches. Besonders im Fürstentum Strigow und den benachbarten Grafschaften, in den „Getreidekammern des Landes“, gilt das Erntefest als eines der bedeutendsten nicht religiösen Feste (neben dem Gründungstag des Reiches und dem Fest der Ahnen) des Jahres.

Reich geschmückte Ochsenkarren, auf denen die jungen Mädchen als Symbol für Fruchtbarkeit Kränze aus Getreide und anderen Feldfrüchten tragen, ziehen begleitet von der jubelnden Dorfbevölkerung durch die Straßen der Dörfer hinaus bis hin zum größten Feld des Dorfes. Denn hier beginnen die eigentlichen Festlichkeiten. Während die jungen unverheirateten Mädchen als Sinnbild für die junge Saat gefeiert werden, wird das Fest von der Dorfältesten geleitet und im Vorfeld unter ihrem prüfenden Blick organisiert. An diesem Tag der Ernte ist sie das Bündnis zwischen Land und Volk. Nicht selten sind es Babajagas, weiße Frauen mit dem Wissen über die Natur und ihre Kräfte, welchen diese Ehre zu Teil wird. Eine ebenso große Ehre für das Dorf, welche eine solche Frau an diesem Tag für sich verpflichten kann.

Die Dorfälteste, umringt von den Menschen des Dorfes, vergießt Wodka und vergräbt ein Laib Brot in der Mitte des Feldes. Mit sakralen Worten dankt sie Mütterchen Kharkov für seine Gabe und bittet das Land diese Spenden als Zeichen der Dankbarkeit an sich zu nehmen.

In besonders traditionellen und dem alten Glauben anhängenden Regionen Strigows begeht man das Fest statt mit dem Vergraben von Brot und Wodka mit dem sogenannten „Proshinajet-Mann“. Die jungen Männer aus zumeist zwei bis drei Dörfer verbringen zusammen die Tage vor dem Fest, indem sie aus Stämmen und Stroh eine große Puppe, den Poshinajet-Mann, bauen. Manche Dörfer nehmen dies zum Ansporn einen Wettkampf um die größte Puppe untereinander auszutragen. Und so hört man bisweilen von Bauwerken von bis zu sechs bis sieben Metern Höhe. Die Puppe aus Stroh und Holz wird mit kleinen Gaben aus der diesjährigen Ernte, Getreide, Obst, sowie Käse und Wurst, gefüllt und mit Wodka übergossen, um während des Höhepunktes der Feierlichkeiten von der Dorfältesten mitb einer Fackel entflammt zu werden. Die Asche des Poshinajet-Mannes, welche anschließend gesammelt wird, soll verstreut auf den Feldern auch im kommenden Jahr reiche und gesunde Ernte bringen.

In mancher dunklen Nacht erzählt man sich am Lagerfeuer, dass der Brauch des Poshinajet-Mannes aus einer Zeit lange vor der Gründung des Reiches stamme, und dass in damaligen dunklen Zeiten Tiere und sogar Menschen zusammen mit dem Obst und Getreide dem Land im Feuer geopfert worden wären. Doch halten die meisten Kharkovianer diese Geschichten für Ammenmärchen um kleinen Kindern Angst zu einzujagen.

Wie jedes Fest wird auch das Poshinajet mit reichlich Speis und noch mehr Trank bis spät in die Nacht gefeiert. Denn mit Gesängen und der reichlichen Kost, so die Bauern, will man Mütterchen Kharkov zeigen, dass man ihre Gaben zu schätzen weiß.

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