Stellungnahme gegen die missbräuchliche Verwendung von LARPing

LARP (Live Action Role Playing) wie Liverollenspiel im Englischen genannt wird, ist ein Hobby, das seit mehr als 20 Jahren in Deutschland regen Zulauf findet. Im Grunde handelt es sich dabei um Improvisationstheater ohne Zuschauer. Liverollenspiel bietet jedem die Möglichkeit gemeinsam mit anderen in andere Rollen zu schlüpfen und Geschichten und Erfahrungen aus den verschiedensten Kontexten zu erleben. Es gibt dabei unterschiedliche Spielphilosophien, Regeln und Spielarten, die alle das Ziel vereint, zusammen mit anderen Spaß zu haben – nicht selten über Staatsgrenzen hinweg.

Wir als Gilde der Drachenreiter e.V. haben es uns in unserer Satzung zur Aufgabe gemacht, die Idee des Livenrollenspiels in Hessen zu verbreiten und die Beschäftigung mit den vielfältigen Aspekten des Hobbys zu fördern. In diesem Sinne unterstützen wir die folgende Stellungnahme des Deutschen Liverollenspielverbandes.

Stellungnahme gegen die missbräuchliche Verwendung von LARPing

Zur Ausgangssituation:

Im Rahmen der Berichterstattung um das Attentat in Christchurch, Neuseeland, wird in den letzten Tagen auch immer wieder der Begriff „LARPing“ in Zusammenhang mit dem Täter gebracht. So z.B. durch einen Artikel auf Spiegel Online vom 22. März 2019 Online mit Namen „Die braune Verschwörung“: „.. – „Wir werden eine Amokalypse starten Brüder!!!!“ Manche verherrlichen das Attentat von Christchurch als besonders aufregendes „Larping“. In der Spielerszene steht das für „Live Action Role Playing“ also ein lebensechtes Rollenspiel. Es gibt sogar Seiten, die Rankings rassistischer Attentäter veröffentlichen. Tarrant belegt dort die Nummer vier, Nummer eins ist Breivik. Natürlich wird nicht jeder, der wie Sonboly mehr als 4000 Stunden den Ego-Shooter „Counter-Strike“ gespielt hat zum Killer. Andererseits wirkt das Netz oft wie ein Katalysator für toxische Idee.“ (Vgl. https://www.spiegel.de/plus/globales-netzwerk-rechtsextremer-terroristen-die-braune-verschwoerung-a-00000000-0002-0001-0000-000163036946).

Dies steht auch im Kontext mit dem scheinbar in den USA immer stärker aufkommenden Trend, den Begriff „LARPing“ als Deckmäntelchen oder Rechtfertigung für Handlungen extremistischer Gruppen und Individuen zu benutzen. Ein Problem, dem sich besonders die „Society for Creative Anachronism“ und die HEMA (Historical European Medieval Arts)-Community gegenüber sehen (vgl. https://www.thedailybeast.com/the-alt-right-is-taking-over-renaissance-fairs) und dessen Ausmaß lange nicht bekannt war bzw. unterschätzt wurde.

Zur Verbreitung dieses Phänomens im deutschsprachigen Raum berichteten bereits im Februar 2018 die Teilzeithelden und verfassten eine Stellungnahme dazu (vgl. https://www.teilzeithelden.de/2018/02/16/rechtsradikale-trollgruppe-tarnt-sich-als-larper/).

In all diesen Fällen wird der Begriff des
LARPs als Deckmantel verwendet, um extremistische, menschenverachtende und
verfassungsfeindliche Aussagen und Handlungen zu verharmlosen oder zu tarnen.
Manchmal werden auch Strategien aus dem an historischen Kampf angelehnten
LARP-Kampf (wie z.B. ein Schildwall aus selbst gebauten Plastikschilden) in
Situationen des realen Lebens verwendet und zweckentfremdet. So geschehen im
Fall der Proteste in Charlottesville, um gegnerische Demonstranten zu bedrängen
und deren Reihen gewaltsam zu durchbrechen.

Unsere Stellungnahme:

Wir erklären, dass wir uns entschieden gegen
eine Verwendung des Begriffes „LARP“ in diesem Zusammenhang verwehren. Wir
distanzieren uns von und stellen uns gegen die Besetzung des Hobbies
Live-Rollenspiel und die Verwendung der Begrifflichkeit „LARP“ durch
extremistische Gruppen oder Einzelne.

Live-Rollenspiel ist eine soziale und
inklusive Tätigkeit, die von Vielseitigkeit und Toleranz lebt. LARP ermöglicht
es jedem Individuum im Rahmen geltenden Rechts und in gegenseitigem
Einverständnis seine Persönlichkeit zu entwickeln und ihr in diesem Rahmen
Ausdruck zu verleihen. Hier gibt es keinen Platz für realen religiösen und
politischen Extremismus, der sich mit Verachtung, Hass oder Gewalt Ausdruck
verschafft.

Live-Rollenspiel in Zusammenhang mit den Ereignissen in Charlottesville und Christchurch zu bringen ist nicht nur sachlich falsch. Denn was dort geschehen ist, ist kein LARP und sollte auch von niemandem so bezeichnet werden. Die Verwendung des Begriffs LARP in diesem Kontext diffamiert auch die ehrenamtliche Arbeit tausender LARPer*innen auf der ganzen Welt, die unzählige Stunden ihrer freien Zeit damit verbringen, fantastische Live-Rollenspiele zu erschaffen und damit Empathie, Vielseitigkeit, Toleranz und Demokratie zu fördern.

Die LARP-Szene und die in dieser Community
agierenden Menschen sind in ihrer Vorstellung von LARP sicherlich sehr
unterschiedlich. In einem sollten wir uns jedoch alle einig sein:

LARP ist und darf kein Deckmantel für
extremistisches, verfassungs- und menschenfeindliches Gedankengut und
entsprechende Handlungen sein!

Für alle LARPer*innen, Veranstalter*innen und
Vereine in diesem Bereich sollte es selbstverständlich und wichtig sein, sich
aktiv zu diesem Thema und gegen die Abwertung von Religion, Geschlecht,
Herkunft, sexueller Ausrichtung oder anderer Attribute zu positionieren.

Denn wenn wir als LARPer*innen den Begriff nicht proaktiv definieren, ihn mit positivem Inhalt füllen und uns von extremistischen Strömungen abgrenzen, wird diese Definition von jemand anderem übernommen – mit einem Ergebnis, das uns nicht gefallen wird.